Wellness und Lumbago in Luxemburg

Ich habe Rücken, irgendwas mit Lumbago, hinten, unten, links. Meine körperliche Konstitution beschränkt sich eher im Stemmen von Rotweingläsern, vorzugsweise der italienischen Edelfraktion. Habe mir jetzt aber ein Rudergerät aus Kirschholz zugelegt für mein Alibi, außerdem ist mein Image dadurch überproportional gewachsen. Als ich nun neulich am Sonntagmorgen um 7:30 Uhr im Backofen Brötchen aufbacken wollte, traf mich ein tiefer Schmerz und führte dazu, dass ich die nächsten knapp 90 Minuten auf den Granitfliesen verbrachte, eine äußerst entwürdigende Darstellung meinerseits. Der nette Onkel Doktor gab mir zwei schöne dicke Spritzen und ich konnte zumindest ansatzweise wieder laufen. Zeit also zu handeln, sagt mein Orthopäde.

 

Zeit für Wellness und Entspannung!

 

Wellness. Zugegebenermaßen ein Unwort für die meisten Männer, außer vielleicht für diese jungen eloquenten Hipster nebst ihren dazugehörigen meist sehr Unterhalts teuren Damen an ihrer Seite. Aber da meine schöne Madame nun mal für ein wunderbares Thermal Resort arbeitet, noch dazu in Luxemburg war der Entschluss schnell gefasst , es geht zu Mondorf Domaine Thermal in Bad Mondorf / Luxemburg zur „KURZWELLNESSWIEDERBEWEGUNGSKUR“.

Woran denkt man, wenn man an das Grossherzogtum Luxemburg denkt..?? Außer EU, Banken und GELD..?? Nun es wird Zeit auch in Wellness zu denken, denn der Ort an sich ist schon herausragend, ein kleiner etwas verschlafener Ort mit eben jenem Thermal Resort, das auf seiner Homepage eine „gezielte und schonende Stärkung der Muskeln verspricht, noch dazu eine deutliche Linderung bei Schmerzen und Entzündungen.“

 

Und all dies seit 1847!

 

Das ist genau DAS, was ich brauche..!
Noch dazu gibt’s hier eine parallele Saunalandschaft inmitten von hundertjährigen Bäumen. Also flugs in knapp drei Stunden hingefahren mit dem bayrischen Premium Automobil und erst mal in das dazugehörige Mondorf Parc Hotel **** Superior eingecheckt. Hinein in den flauschigen Bademantel und in meine Adiletten mit Frottee, normal kann ja jeder. Es geht mit dem Lift hinunter in das Foyer mit direktem Durchgang zum Wellnessbereich. Die Entrée Tür öffnet sich mit dem dazugehörigen blauen Chip am Handgelenk automatisch, und der erste Blick bleibt am dazugehörigen Drehkreuz hängen. Wieder den Chip hingehalten und hinein geht es… Nun…Thermalwasser riecht irgendwie.. medizinisch..gesund.. angenehm.. Die Menschen um mich herum wirken seltsam…entspannt…eine Entspanntheit, die auch mich in kurzer Zeit in Beschlag nimmt. Es gibt mehrere separate Becken, niemand wird hier zu irgendwas gezwungen.

In meiner gestreiften Badehose (Streifen machen schlank) geht’s nach dem Duschen ins 36 Grad temperierte Wasser ..Mir fällt auf, hier sind alle nicht durcheinander im Wasser, sondern schön in Reih und Glied wie Perlen aneinandergereiht. Der Grund ..sind Unterwasserdüsen, die mit unterschiedlichem Druck an unterschiedlichen Stellen die entsprechenden Körperteile bearbeiten. Ich positioniere mich also auch an einer Stelle und setze mich dem Massagestrahl aus. Wenn ich geknetet werde, was zugegebenermaßen etwas länger her ist, dann von kräftigen Händen, hier tut dies mit erstaunlicher Wirkung ein direkter Unterwassermassagestrahl, den ich mir selbst positionieren kann.
Alle um mich herum wirken entspannt und genießen so wie ich die direkte Massage ..ein Blick auf die Uhr am Eingang mahnt zur Rücksicht und Vorsicht, denn die Badedauer ist auf zweimal 15 Minuten empfohlen.. Ich spüre also jeden nicht vorhandenen Muskel, insbesondere meinen geschätzten Lumbago. Ich merke, wie sich meine Sehnen und noch vorhandenen Restmuskeln wieder sortieren und sich scheinbar an die richtige Stelle bewegen.

 

Eine echte Wohltat.

 

Also flink alle Wasser Stationen absolviert und hinaus geht’s zur Saunawelt.
Da ich nicht so der klassische Saunagänger bin und auch auf eine dahingehende Führung im richtigen Schwitzen angewiesen, wende ich mich an den dortigen Saunameister Namens Tobias, der mit seinem, ich gestehe beeindruckendem Astralkörper alle gängigen Vorurteile der Fitness in einem zu bestätigen scheint. Er empfiehlt mir erst einmal laaaangsam anzufangen…die Betonung liegt hier ganz klar auf LAAANGSAM. Hektik scheint woanders, zumindest nicht hier.

 

Ich suche also eine von Astralkörper Tobias empfohlene Sauna Namens Koivu auf, in der Tobias einen Aufguss mit Birkenzweigen praktiziert. Sehr empfehlenswert und seine fließenden Bewegungen, die er dabei vollzieht machen mich fast demütig. Unter anderem gibt es hier auch ein sogenanntes „Tagesprogramm der Aufgüsse“. Nun was soll ich sagen…mein Körper fühlt sich in der Zwischenzeit an wie Gummi…der Schweiß läuft mir aus allen Poren…es erscheint mir als ob jegliche vorhandenen Giftstoffe aus mir herausgeschwemmt werden.

 

Ich fühle mich komischerweise … fitter, jünger, entspannter.

 

Nach einem Kaltguss wechsle ich in die Löyly Dampfsauna und erlebe einen Dampfaufguss mit Honig…ich bewege mich im Nebel wie im November auf bundesdeutschen Autobahnen nachts um drei, wobei dieser Umstand hier aber nicht mit Anspannung zu tun hat ganz im Gegenteil – meine Atemwege fühlen sich merklich befreit an, meine Poren der Haut erscheinen offen wie ein Scheunentor. Nach knapp 10 Minuten habe ich genug und suche eine entsprechende Infrarotkabine auf. Wiederum nach 10 Minuten bin ich fast eingeschlafen. Nach dem Dösen verlasse ich vorerst das Thermalbad, um auf unsere Suite zu gehen, ich fühle mich immer noch wie Gummi, aber irgendwie seltsam befreit.
Ich schwebe fast zu unserem Zimmer. Mit letzter fast schläfriger Kraft rufe ich mit dem Zimmertelefon die Rezeption an und reserviere einen Tisch im hauseigenen Restaurant De Jangeli, die Küche dort soll herausragend sein.

Und soviel ist sicher, es ist nicht mein letzter Besuch im Thermalbad, denn…wir sind ja noch zwei Tage hier.

Ansonsten kommen wir wieder und nicht nur wegen Lumbago.

 

 

 

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